Hochwasser

Die Feuerwehr und das(der) Hochwasser(schutz)

1991, 2002, 2013 – Jahreszahlen die sich entlang der Donau und vor allem bei den Feuerwehren eingeprägt hat. Jeweils ein Jahrhunderthochwasser bescherte den Freiwilligen Feuerwehren viel Arbeit und der Bevölkerung enorme Schäden. Nach jahrelangen Verhandlungen konnte in einer 2-jährigen Bauzeit der Hochwasserschutz in Betrieb gehen.

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Die Marktgemeinde Weißenkirchen in der Wachau besitzt die 2. größte Hochwasserschutzanlage Mitteleuropas. Geplant wurde der komplette Flutschutz von dem Ziviltechnikerbüro Retter & Partner, gemeinsam mit den Verantwortlichen der Gemeinde. Die Baumaßnahmen an der 2,918 km langen Strecke führte die Firma STRABAG von 2008 bis 2009 durch. Der Großteil der Schutzbauten befindet sich unterirdisch. 8 Meter tiefe Spundwände, ausgeklügelte Entwässerungskanäle entlang der Mauer und 4 Pumpwerke mit einer Leistung von durchschnittlich 4.000 Liter pro Sekunde (2x Weißenkirchen, 1x Joching, 1x Wösendorf) sind wichtige Bestandteile des Gesamtprojektes. 2009 wurde der Bau durch ein Hochwasser 3 Monate verzögert. Die Lagerhalle wurde von der Fa. PORR errichtet. Dem Ganzem gab das Architektenbüro Mag. Thomas Tauber ein Gesicht. 27,2 Millionen Euro verschlang das Megaprojekt. Im Frühjahr 2010 fand die Eröffnungsfeier mit zahlreichen Ehrengästen statt.

Technische Details

IBS Mobiles Aluminium Hochwasserschutzsystem – 10.000 Einzelteile

1419 Steher und Stützen – 5 verschiedene Arten:

60 Stk.MS53,5 m185 kg
1 Stk.Winkelstütze 90°1,25 m490 kg
3 Stk.Winkelstütze 115°1,25 m380 kg
151 Stk.MS42,5 m94 kg
283 Stk.MS32 m88 kg
159 Stk.MS21,5 m73 kg
180 Stk.MS11,5 m53 kg
582 Stk.MS72 m44 kg
5978 Stk.Mauer-Dammbalken3,6 m21,6 kg
1407 Stk.Durchgang-Dammbalken2,75 m16,2 kg

Lagerung

Die Lagerung erfolgt in einer eigens dafür gebauten Lagerhalle zwischen Joching und Wösendorf. Sämtliche Paletten sind eindeutig farblich und schriftlich gekennzeichnet und somit leicht erkennbar. Auch das durchdachte Konzept der Lagerung ermöglicht jederzeit Zugriff auf die nach Aufbauphasen geordneten Paletten.

Aufbau / Abbau / Reinigung / Wartung

Der Auf- und Abbau wird mit den 3 Feuerwehren der Gemeinde, weiteren Feuerwehren, dem Bauhof und dem Österreichischen Bundesheer bewerkstelligt. Gewartet wird die Anlage von den Mitarbeitern des Bauhofes.

Bis zu einem 100-jährlichen Hochwasserereignis ist der Flutschutz konzipiert. Schon allein mit der Mauerhöhe von 85 cm werden 60% aller Hochwässer abgehalten. Sollte es zu einem Ernstfall kommen ist der Aufbau in 5 Phasen, laut Einsatzplan, eingeteilt. Bei der 1. Phase zum Beispiel, „rot“, werden alle Durchlässe geschlossen und ist mit einer niedrigen Mannschaftsanzahl und geringem Zeitaufwand zu erledigen. Jede aufgebaute Phase ist immer mit 0,5 m über der Prognose angesetzt. Sollte Phase 2 angeordnet werden, können je nach Bedarf von Einsatzkräften, laut Einsatzplan, auf mehrere Hinterlandfeuerwehren, die in Reserve stehen, zugegriffen werden (Habruck, Groß Heinrichschlag, Weinzierl/ Walde, Nöhagen, Stixendorf, Ostra, Reichau). Auch das Österreichische Bundesheer ist mit 3 LKW und 6 Mann integriert und je nach Bedarf steigerbar. Die Einsatzleitung trägt der Bürgermeister mit den 3 Feuerwehrkommandanten die jeweils einen Einsatzabschnitt, also jeder seine Katastralgemeinde, leiten. Vor Ort und in den Einsatzleitungsräumen des Hochwasserschutzlagers wird die Einsatzleitung ihre Arbeit aufnehmen.

Seit einigen Jahren besteht ein Kooperationsvertrag zwischen der Garde des ÖBH und der Marktgemeinde Weißenkirchen. Bei ca. 6 Terminen pro Jahr lernen die Soldaten den Hochwasserschutz kennen. Bei dem Modul „Katastrophenschutz“, das zur Grundausbildung gehört, werden 3 Stationen betrieben (Aufbau-Abbau, Reinigung, Sandsackbau). An der Übungsmauer vor der Hochwasserschutzlagerhalle in Joching können die Grundwehrdiener praktische Erfahrung sammeln, um in Ernstfall Unterstützung leisten zu können.

Die Reihenfolge der Trupps pro Aufbauphase

Bei Notwendigkeit der 1. Phase setzt sich ein Voraustrupp mit 2-3 Mann in Bewegung und entfernt die nötigen Blindschrauben. Die Buchse wird mit Druckluft gereinigt. Währenddessen werden die Durchgangssteher mit Tiefladeanhänger herangeschafft und mit Hilfe eines Krans oder Stapler aufgestellt. Pro Feuerwehr wurde 1 Tiefladeanhänger angekauft. Die Befestigung erfolgt immer zuerst wasserseitig, da sich der Steher dann selbstständig zentriert. Es ist auch nicht möglich einen Steher falsch zu positionieren oder an einer anderen Stelle anzuschrauben. Pro Verschraubungs-Trupp sind 2 Mann eingesetzt. Gearbeitet wird hier mit Power – Hilti-Akkuschrauber mit 250 kn pro Umdrehung. Danach werden schon die ersten Dammbalken eingeschoben und mittels Verspannschlitten nieder geschraubt, damit die unterste Dichtung auf ca. 30 mm nieder gepresst wird. Je nach weiterer Prognose kann jederzeit Phase 2 – 5, Mauersteher setzen und Dammbalkenerhöhungen, eingeleitet werden.

Siehe:

Eröffnung Hochwasserschutz, 6. März 2010

1. Aufbauübung, 7. April 2010

Probeaufbau, 16. April 2012